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Zertifikat auf Öl kaufen: Chancen durch Niedrigpreise?

Wenn es mit dem Ölpreis wieder nach oben geht, können Anleger profitieren, wenn sie jetzt ein Zertifikat auf Öl kaufen

Der Ölpreis kann es keinem Recht machen. In den 1970er Jahren beendete sein Anstieg die goldenen Wirtschaftswunderjahre endgültig und leitete die Zeit von Massenarbeitslosigkeit und Stagflation ein. Heute lässt ein zu niedriger Ölpreis die Märkte erzittern – wobei der Begriff niedrig immer in Relation zu den unterschiedlichen Preisständen gesehen muss. Sollte man jetzt ein Zertifikat auf Öl kaufen und von einer Erholung profitieren? Oder geht es noch weiter nach unten.

Wie niedrig ist der Ölpreis wirklich?

Rund 65 Prozent lag der Ölpreis Anfang 2016 niedriger als fünf Jahre zuvor. Dabei war der steigende Preis für Erdöl lange Zeit ein Hauptärgernis der Deutschen. Und der zunehmende Verbrauch durch immer größere Autos und vor allem den Öldurst der Schwellenländer nährte die Diskussionen um weitere Preisanstiege. Dann wurden neue Ölquellen vor allem in Nordamerika erschlossen, die wirtschaftliche Entwicklung verlangsamte sich und die Ölnachfrage ging bei steigendem Angebot zurück.

Selbst im 10-Jahres-Vergleich ist Öl aktuell billiger. Preiswerter als im März 2016 war der Rohstoff zuletzt um die Jahrtausendwende. Und selbst Ende der 1970er Jahre, nach dem Sturz des Schahs in Persien, war Öl teurer als heute. Ist ein langfristiger Aufwärtstrend also garantiert?

Ölpreis langfristig

Grafik: Ölpreis langfristig
Klar ist, dass die Vorräte an Öl immer weiter schwinden werden. Gleichzeitig wird der Energiehunger der Welt durch Wirtschaftswachstum und steigende Bevölkerungszahlen steigen.

Ein Blick zurück zeigt aber, dass der Ölpreis immer wieder auch über längere Zeiträume gefallen ist. In den 1860er Jahren erreichte er Höchststände, die seitdem nie wieder erreicht wurden. Verantwortlich für Preisrückgänge war in der Vergangenheit vor allem die Entdeckung neuer Ölfelder, zuerst in Pennsylvania, später in Texas, dem Nahen Osten und Alaska.

In der Zukunft könnten es neue Energieträger sein, die den Ölpreis unter Druck setzen, auch wenn diese bisher vor allem im Bereich Verkehr nur mäßig erfolgreich sind. Immerhin liegt der Ölverbrauch in Deutschland heute niedriger als Ende der 1980er Jahre. 

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Trotz steigender Motorisierung ist der Ölverbrauch in Deutschland seit den 1970er Jahren gesunken. Allerdings nicht so sehr, wie Umweltschützer sich das erhofft ha

Und auch wenn Benzin im Verkehr noch nahezu unangefochten als Energieträger ist, so wird ein großer Teil des Öls auch als Energiequelle in der Industrie oder für das Heizen von Häusern verwendet – und hier gibt es mittlerweile gut Alternativen.

Die weitere Entwicklung des Ölpreises ist also keineswegs sicher. Wer Zertifikate auf Öl kaufen will, muss Chancen und Risiken gegeneinander gut abwägen. Falls man sich gut informiert, Spaß am Traden hat´und auch Verluste verkraften kann, dann findet man mit Zertifikaten auf Öl eine spannende Anlageform. Wer langfristig Geld anlegen und sich möglichst wenig darum kümmern will, sollte dagegen andere Anlageformen wie ETF-Sparpläne wählen. 

Öl ist nicht gleich Öl

Wer auf einen steigenden Ölpreis wetten will, der muss sich zunächst überlegen, auf welche Sorte er spekulieren will. In Europa ist vor allem die Marke Brent Referenzpreis. In den USA ist es dagegen West Texas Intermediate (WTI). In Russland, dem Nahen Osten oder Südamerika gibt es wiederum andere Sorten.

Für die Industrie sind die verschiedenen Sorten wegen ihrer unterschiedlichen Qualität interessant. Allerdings entwickeln sich die Ölpreise der Sorten oft ähnlich.

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Die Sorten West Texas Intermediate (WTI) und die Nordsee-Sorte Brent sind unterschiedlich teuer, die Entwicklung verläuft aber meistens ähnlich. Quelle des Charts: Onvista

Unterscheiden müssen Anleger außerdem den Spotpreis von den Kursen an den Terminmärkten. Denn große Abnehmer wie Raffinerien fahren nicht mit dem Schiff zum Ölhafen in Aberdeen, verlangen dort eine Ladung Öl und bezahlen bar. Stattdessen werden langfristige Termingeschäfte getätigt. Ein Unternehmen kauft dann beispielsweise Mitte 2016 eine bestimmte Menge Öl zur Lieferung am 31. Mai 2018. Weil der Lieferzeitpunkt in der Zukunft liegt, spricht man von einem Future.

Trotzdem gibt es aber auch einen Markt für kurzfristige Käufe, den Spotmarkt. Den Kurs erkennt man am Zusatz (Spot).

Außerdem können Zertifikate nicht nur auf den Ölpreis abgeschlossen werden, sondern auch auf Aktien von Ölfirmen. Meist haben die Zertifikate einen Index als Basiswert, der die Entwicklung von Erdölaktien nachbildet.

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Viele Aktien sind vom Ölpreis abhängig. Zuerst natürlich die von Ölgesellschaften, allerdings haben auch Eisenbahnaktien in den USA unter den Problemen der dortigen Industrie gelitten. Rohöl gehört nämlich zu einem ihrer Haupttransportgüter.

Das hat den Vorteil, dass Anleger auch bei Seitwärtsbewegungen am Markt Gewinne machen können, solange die Firmen bei den aktuellen Ölpreisen noch im Plus sind. Allerdings sind Öl-Aktien auch besonders anfällig für Preisschwankungen. Denn schon ein Preisminus von 10,0 Prozent kann dazu führen, dass eine Gesellschaft Pleite geht. 

Zertifikat auf Öl kaufen – Vor- und Nachteile

Wer mit der Entwicklung des Ölpreises Geld verdienen will, kann das sehr einfach mit einem Zertifikat tun. Zertifikate haben mehrere Vorteile:

  • Sie sind einfach zu erwerben.
  • Sie lassen sich über fast jeden Aktienbroker kaufen und verwalten.
  • Es sind Hebel möglich.
  • Es sind meist keine Verluste von mehr als 100 Prozent möglich.

Natürlich könnte man sich auch eine paar Fässer Öl in die Garage stellen. Doch das ist umständlich und teuer. Viele Zertifikate sind börsennotiert und lassen sich über fast jeden Broker kaufen. Mitunter gibt es auch besondere Konditionen beim Kauf, wer sie direkt beim Emittenten erwirbt kann dann beispielsweise die Ausgabegebühr sparen.

Teilweise kann auch mit einem Hebel gehandelt werden. Bei einem Hebel von x4 lässt sich der vierfache Gewinn machen wie bei einem Investment ohne Hebel. Wer 1.000 Euro investiert, verdient dabei bei einem Hebel von x4 so viel wie sonst mit 4.000 Euro. Das bedeutet natürlich auch, dass die Verluste entsprechend höher sind.

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Als der Euro gegenüber dem Schweizer Franken rund 20 Prozent verlor, mussten viele Trader, die mit einem Hebel gehandelt hatten, Geld nachschießen. Auch Stop-Loss-Kurse brachten nichts, da sich zu den Stoppkursen keine Käufer fanden. Bei Zertifikaten sind die Verluste dagegen auf das eingesetzte Kapital beschränkt.

Trotzdem haben Zertifikate den großen Vorteil, dass meistens nicht mehr Geld als die Investition verloren werden kann. Das unterscheidet sie von Rohstoffgeschäften bei Forex-Brokern. Dort kann eine Nachschusspflicht bestehen, sind die Verluste zu noch, muss Geld nachgeschossen werden.

Diese Situation kann durch den Hebel auftreten, wenn beispielsweise mit einem Hebel von 10 gehandelt wird. Dann führt ein Verlust von mehr als 10,0 Prozent dazu, dass die Verluste durch den Hebel über 100 Prozent liegen. Bei Zertifikaten ist das meist ausgeschlossen, auch wenn sie die Gewinne hebeln. Allerdings werden sie wertlos, sobald das Eigenkapital aufgebraucht ist. Dann profitiert man auch von einem erneuten Kursanstieg nicht mehr. Deshalb werden Hebelzertifikate auch als Knock-out-Zertifikate bezeichnet.

Was sind Rollverluste?

Icon_WissenRohstoffe werden, wie erwähnt, meistens am Terminmarkt gehandelt. Wenn eine Bank ein Zertifikat herausgibt, dann sichert sie sich im Regelfall mit Optionen oder Futures ab. Macht der Anleger Gewinne, muss der Emittent das nicht aus eigener Tasche bezahlen, sondern aus den Gewinnen, die er selbst mit Futures oder Optionen gemacht hat.

Daraus ergibt sich aber ein Problem. Denn ein Future ist oft deutlich teurer als der Spotpreis, etwa weil die  andere Anleger ebenfalls mit steigenden Preisen rechnen oder die Prozenten das Öl bereits gefördert haben und es möglichst schnell verkaufen wollen, weil sonst Kosten für die Lagerung anfallen. Diese Situation, bei der der Spotpreis deutlich unter den Kursen am Terminmarkt liegt, heißt Contango. Anleger profitieren deshalb nur von einem steigenden Ölpreis, wenn der schneller steigt als das vom Terminmarkt bereits vorweg genommen wurde. 

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Auch die anderen Anleger sind nicht dumm. Oft wird das Bild einer Herde benutzt, um ihr Verhalten zu beschreiben. Mitunter findet man an den Märkten aber auch Beispiele für Schwarmintelligenz und künftige Preisanstiege werden an den Terminbörsen bereits vorweggenommen.

Bei Endlos-Zertifikaten kommt noch hinzu, dass Futures und Optionen regelmäßig umgeschichtet werden müssen, weil sie auslaufen. Darum kümmert sich der Emittent des Zertifikats, der Anleger muss also nicht aktiv werden. Aber er trägt die Kosten dafür. Denn die neuen Zertifikate können deutlich teurer sein als die alten, außerdem fallen Gebühren an.

Anleger können also keineswegs davon ausgehen, dass sie mit einem Zertifikat automatisch von steigenden Ölpreisen profitieren. Gewinne machen sie vor allem dann, wenn der Kurs stärker steigt als von den Terminmärkten erwartet.

Alternativen zum Zertifikat

Nicht nur mit Zertifikaten lässt sich auf den Ölpreis spekulieren. Relativ ähnlich funktionieren ETCs und ETFs. ETC steht für Exchange Traded Commodities, das sind börsengehandelte Rohstofffonds. ETCs haben den Vorteil, dass sie ein Sondervermögen sind. Das bedeutet, dass bei einer Insolvenz des Emittenten die Investitionen der Anleger nicht in die Insolvenzmasse eingehen. Bei Zertifikaten ist das anders, ist der Herausgeber Zahlungsunfähig, müssen sich die Inhaber zusammen mit den anderen Gläubigern an den Insolvenzverwalter wenden und hoffen, wenigstens einen Teil ihrer Einlagen zurück zu bekommen. Allerdings sind ETCs oft auch teurer und bieten meist keinen Hebel.

Wer nicht direkt in Öl, sondern in Ölgesellschaften investieren will, für den sind ETFs eine Alternative zu Zertifikaten. ETF steht für Exchange Traded Fund und bedeutet börsengehandelter Fonds. Dieser Fonds kann beispielsweise Aktien von Erdölunternehmen enthalten.

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ETFs können beispielsweise einen Index mit Erdölaktien nachbilden. Nicht immer kaufen sie aber direkt diese Aktien (Fall 1). Teilweise halten sie ein Sicherheitsportfolio, das aus ganz anderen Aktien bestehen kann. Durch Wertpapiertauschgeschäfte (Swaps) werden die Erträge dieses Sicherheitsportfolios gegen die Gewinne getauscht, die der abgebildete Index macht.

Auch mit Optionen lässt sich auf Änderungen des Ölpreises spekulieren. Bei einer Option erwirbt man das Recht, einen Basiswert, hier also Erdöl, zu einem bestimmten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Wer beispielsweise das Recht erworben hat, Erdöl zu einem bestimmten Zeitpunkt zum Preis von 45 US-Dollar je Barrel zu kaufen macht Gewinne, wenn der Ölpreis zu dem Zeitpunkt tatsächlich höher liegt. Liegt der Kurs niedriger, verfällt die Option und ist wertlos. Man sagt, sie ist aus dem Geld. Optionen werden allerdings an besonderen Terminbörsen gehandelt, bei denen man nicht über jeden Broker handeln kann. Eine Besonderheit sind Optionsscheine, die an den regulären Wertpapierbörsen ge- oder verkauft werden können.

Fazit

Ein Zertifikat auf Öl kaufen ist eine einfache Möglichkeit, auf Kursänderungen bei dem Rohstoff zu setzen. Dabei kann man sowohl auf fallende als auch auf steigende Preise setzen und oft auch einen Hebel nutzen. Riskant ist der Handel trotzdem. Das gilt auch für die Investition in Aktien von Erdölunternehmen mit Hilfe eines Zertifikats, allerdings locken auch gute Chancen.