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Knock-out Zertifikate: Nicht so schlimm, wie es sich anhört

Knock-out Zertifikate sind risikoreich, doch gerade die Knock-out Funktion ist für die Anleger oft ein Vorteil

Mit wenig Geld viel bewegen, das ist der Traum vieler Anleger. Eine Reihe von Finanzprodukten bietet das auch, doch damit geht oft das Risiko einher, mehr als nur den Einsatz zu verlieren und Geld nachschießen zu müssen. Knock-out Zertifikate verhindern das, doch sie haben auch Nachteile.

Was sind Knock-out Zertifikate?

Den Knock-out kennt man eigentlich vor allem aus dem Boxen. Knocked out, abgekürzt K.O., ist ein Boxer, wenn er wegen eines Schlages zu Boden geht und nicht innerhalb von zehn Sekunden wieder den Kampf aufnehmen kann.

Knock-out Zertifikate haben ihren Namen tatsächlich aus dem Kampfsport erhalten. Denn so wie ein Boxkampf durch ein K.O. vorzeitig abgebrochen wird, so endet die Laufzeit eines Knock-out Zertifikates, wenn eine bestimmte Kursschwelle erreicht wird. Das Papier ist dann wertlos, der Anleger hat seinen kompletten Einsatz verloren.

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Durch den Hebel fallen alle Gewinne und Verlust beim Knock-out Zertifikat (rot) größer aus als beim Basiswert (grau).

Durch den Hebel fallen alle Gewinne und Verlust beim Knock-out Zertifikat (rot) größer aus als beim Basiswert (grau).

Dieses Knock-out ist die Kehrseite des Hebels, den Knock-out Zertifikate bieten. Sie heißen deshalb oft auch Turbo- oder Hebel-Zertifikate. Bei einem Knock-out Zertifikat mit dem Hebel x2 machen Anleger beispielsweise doppelt so hohe Gewinne und Verluste, als wenn sie den Basiswert direkt erworben hätten.

Wie funktioniert der Hebel?

Üblicherweise wird der Hebel dadurch erreicht, dass der Emittent zusätzlich zum vom Sparer aufgebrachten Eigenkapital noch Kredite aufnimmt. Denn er muss sich absichern, damit er dem Sparer auch die entsprechenden Gewinne auszahlen kann.

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An der Börse geht es langfristig überwiegend nach oben. Trotzdem sind Knock-out Zertifikate keineswegs sicher. Denn erstens kann sich das durchaus ändern und zweitens profitiert der Anleger von dem Aufwärtstrend nicht, wenn das Zertifikat vorher schon die Knock-out-Schwelle erreicht hat.

Der Hebel erlaubt es, deutlich höhere Gewinne zu erzielen. Oft haben solche Zertifikate einen Index als Basis, in Deutschland zum Beispiel den DAX. Wenn der Index 5,0 Prozent im Plus ist, hat der Anleger bei einem Hebel von x4 viermal so viel Gewinn gemacht, also 20,0 Prozent.

Umgekehrt führt der Hebel aber auch dazu, dass Verluste leicht über 100 Prozent steigen. Bei einem Hebel von x10 reicht ein Rückgang des Basiswertes um mehr als 10,0 Prozent, damit der Anleger mehr Geld verloren hat als er eingezahlt hat. Bei anderen Anlageformen wie CFDs kann es dann passieren, dass Anleger Geld nachschießen müssen, wenngleich vor allem deutsche Broker wie die Consorsbank mittlerweile CFD-Konten ohne Nachschusspflicht bieten.

Bei Knock-out Zertifikaten sind Verluste von mehr als 100 Prozent nicht möglich, denn vorher wird das Zertifikat bereits wertlos. Wie hoch die Knock-out Schwelle liegt, hängt deshalb auch vom Hebel ab. Investoren sollten sich aber genau über sie informieren, bevor sie ein Knock-out Zertifikat kaufen.

Alternative Faktor-Zertifikat?

Wer Verluste von mehr als 100 Prozent vermeiden will, aber sich mit der Knock-out Schwelle nicht anfreunden kann, der findet mit Faktor Zertifikaten ein ähnliches Produkt. Auch hier wird die Veränderung um einen Faktor verstärkt abgebildet. Allerdings betrachtet man dabei nicht die Veränderung zum Startkurs, sondern es wird jeweils die Veränderung zum Vortag in Prozent betrachtet und dann um einen Faktor verstärkt nachvollzogen.

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Auch bei einem starken Kursrückgang werden Faktor-Zertifikate nur selten komplett wertlos. Ein Rückgang des Basiswertes (blau) um 30 Prozent würde bei einem Knock-out Zertifikat mit einem Hebel von x4 theoretisch sogar zu einen Nachschuss nötig machen. Allerdings überschreitet es vorher die Knock-out-Schwelle und wird wertlos. Bei einem Faktor-Zertifikat (dunkelgrau) liegt der Wert des Papiers am Ende der Laufzeit dagegen niedriger als beim Basiswert. Obwohl auch hier der prozentuale Rückgang viermal so stark ausfällt wie beim Basiswert, fällt der Rückgang wegen des niedrigen Kurses weniger ins Gewicht.

Icon_TaschenrechnerDas ist bei starken Kursrückgängen über einen längeren Zeitraum ein Vorteil. Denn durch den Faktor fällt der Wert des Zertifikats schneller als der Basiswert. Der gleiche prozentuale Rückgang, beispielsweise 2,0 Prozent, fällt dann absolut weniger ins Gewicht. Umgekehrt entwickeln sich Faktor-Zertifikate auch bei stetigen Kursanstiegen besser als Knock-out Zertifikate.

Ein Beispiel: Ein Wertpapiere kostet 12 Euro. Es sinkt am ersten Tag um 3 Euro und am zweiten Tag noch einmal um 3 Euro. Es hat also 50 Prozent des Wertes verloren. Bei einem Hebel von x2 bedeutet das den Totalverlust des Einsatzes. Beim Faktor-Zertifikat wird dagegen die relative Veränderung zum Vortag verdoppelt. Der Rückgang am ersten Tag entspricht einem Viertel, der am zweiten sogar einem Drittel, weil das Minus von 3 Euro jetzt auf den neuen Kurs von 9 Euro berechnet wird. Verdoppelt bedeutet das am ersten Tag einen Verlust von der Hälfe des eingesetzten Kapital. Am nächsten Tag sinkt der Kurs sogar um zwei Drittel. Während das Knock-out Zertifikat wertlos ist, beträgt der Restwert hier aber immerhin ein Drittel von einer Hälfte, also ein Sechstel. 

Allerdings entwickeln sich Faktor-Zertifikate bei sich seitwärts bewegenden Kursen schlechter. Obwohl der Kurs des Basiswertes nach einigen Wochen gegenüber dem Kaufzeitpunkt leicht gestiegen ist, kann das Faktor-Zertifikat im Minus sein. 

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Bei Seitwärtsbewegungen entwickeln sich Faktor-Zertifikat schlechter als der Ausgangswert oder ein Knock-out Zertifikat. Im vorliegenden Fall verdoppelt sich der Basiswert (blau) erst und geht dann auf den Ausgangskurs zurück. In Prozent bedeutet das erst einen Anstieg um 100 Prozent und dann einen Rückgang um 50 Prozent (blauer Balken). Das Knock-Out Zertifikat mit dem Hebel x2 (dunkelgrau) steigt doppelt so stark an, fällt dann aber auf den Ausgangswert zurück. Beim Faktor-Zertifikat (grau) werden dagegen die täglichen Veränderungen mit dem Faktor x2 multipliziert. Es steigt also zunächst um 200 statt 100 Prozent und fällt dann um 100 statt 50 Prozent. Damit wäre der Wert Null.

Oft lauten Faktor-Zertifikate auf den LevDAX. Das hat den Vorteil, dass Kursrückgänge um mehr als 50 Prozent gekappt werden. Maximal ist ein Hebel von x10 möglich.

Vor- und Nachteile

Icon_PluszeichenKnock-out Zertifikate erlauben höhere Gewinne, können aber auch größere Verluste bedeuten. Zudem fallen höhere Gebühren an als für Zertifikate ohne Hebel, weil die Bank auch noch Kredite aufnehmen muss.

Positiv ist, dass keine Nachschusspflicht besteht. Allerdings bedeutet das Überschreiten der Knock-out-Schwelle auch, dass der Anleger von einer möglicherweise folgenden Erholung nicht mehr profitiert.

Insgesamt ist die Kursentwicklung transparenter als beispielsweise bei Optionen oder auch Faktor-Zertifikaten.

Das sind zusammengefasst die Vorteile:

+ Höhere Gewinne möglich
+ Keine Nachschusspflicht
+ Transparente Kursentwicklung

Dem stehen diese Nachteile gegenüber:

– Höheres Risiko
– Höhere Gebühren als reguläre Zertifikate
– Knock-out Schwelle

Die Zertifikate eigenen sich deshalb vor allem für aktive Trader, die sich ständig über die aktuelle Marktlage informieren. Das gilt vor allem bei einem hohen Hebel. Insbesondere Knock-out Zertifikate, mit denen man auf fallende Kurse setzt, sogenannte Short-Zertifikate, sind sehr risikoreich und sollten nur von erfahrenen Tradern eingesetzt werden.

Fazit

Knock-out Zertifikate sind risikoreicher als ETFs oder Zertifikate ohne Hebel. Allerdings bieten sie auch mehr Chancen. Insgesamt sind sie vor allem für Trader interessant, die den Markt ständig beobachten. Vor allem bei einem hohen Hebel kann es sonst passieren, dass das Zertifikat wertlos wird, obwohl sich die Börse langfristig wie gewünscht entwickelt.