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Zertifikat auf Gold kaufen als Krisenversicherung?

Gold ist in Krisenzeiten immer besonders beliebt. Kann man mit einem Zertifikat auf Gold sein Depot schützen?

Gold gilt als Krisenwährung. Immer wenn die Lage unsicher ist, steigt der Preis des Edelmetalls. Auch nach dem Beginn der Finanzkrise schoss der Goldpreis nach oben, in den Städten wurden Goldautomaten aufgestellt, an denen man sich Goldbarren kaufen konnte. Doch dann ging der Kurs wieder deutlich zurück, obwohl die Weltwirtschaft immer noch angeschlagen ist – und neue Krisenherde dazu gekommen sind. Jetzt sieht es so aus, als ob Gold erneut durchstartet. Sollte man ein Zertifikat auf Gold kaufen?

Was spricht für Gold, was dagegen?

Wer die Börsenkurse regelmäßig verfolgt, dem fällt auf, dass sich der Kurs tatsächlich oft genau gegensätzlich zum DAX entwickelt. Steigen die Aktienkurse, dann fällt der Goldpreis und umgekehrt. Die Statistiker bezeichnen so etwas als eine negative Korrelation. Das liegt daran, dass Gold als sicher gilt. Denn im Gegensatz zu Papiergeld wird die Menge nicht von einer Notenbank kontrolliert, sondern der Rohstoff muss aufwändig aus der Erde gefördert werden. Und anders als Aktien kann Gold nicht pleite gehen.

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Wer Aktien besitzt, dem gehört ein Teil eines Unternehmens, beispielsweise einer Eisenbahngesellschaft. Aus den Gewinnen zahlt sie Dividenden, steigen die Gewinne steigen auch die Aktien. Das ist bei Gold anders, es bringt weder Zinsen noch Dividenden. Trotzdem kann sich eine Investition lohnen

Andererseits bringt Gold keine Zinsen und keine Dividenden. Es erwirtschaftet nichts und schafft keine Werte, anders als bei einer Investition in Aktien. Hinter denen steht ja ein Unternehmen, dass Produkte herstellt und daraus im Idealfall eine Dividende zahlt und Kurssteigerungen erzielt.

Gold eignet sich in den Augen der meisten Investoren deshalb höchstens als Ergänzung zu einem Depot mit Aktien und Anleihen. Oder zur kurzfristigen Spekulation, wenn man unmittelbar mit einem Anstieg des Goldpreises rechnet.

Steigt der Goldpreis wieder?

Als die Notenbanken nach der Finanzkrise 2007 zusätzliches Geld druckten und die Staaten sich hoch verschuldeten, steig der Goldkurs rasant an. Denn viele Beobachter rechneten aufgrund der Geldschwemme mit einem Anstieg der Teuerung. Das Ersparte auf dem Bankkonto wird dann weniger Wert, Gold dagegen behält seinen Wert weitgehend, weil mit den Preisen auch der Goldpreis steigt. Das ist nicht zuletzt eine Erfahrung aus den Hyperinflationen der Vergangenheit.

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Der Goldpreis ist in der Finanzkrise ab 2007 deutlich angestiegen, dann aber wieder zurückgegangen. Insgesamt ist Gold aber nach wie vor teuer. Die Grafik zeigt auch, dass sich der Goldpreis tatsächlich oft genau gegensätzlich zum DAX entwickelt.

Als die erwartete Inflation dann aber ausblieb, fiel der Goldkurs deutlich. Auch das die Finanzkrise in vielen Punkten längst noch nicht gelöst ist und viele Euro-Staaten nach wie vor überschuldet sind und dass viele Weltregionen politisch instabil sind vermochte den Kurs nicht anzuschieben.

Ob eine Trendwende bevorsteht ist schwer zu sagen. Einerseits ist ist Gold billiger geworden, andererseits ist es im langfristigen Vergleich noch immer teuer. Und Krisen gab es auch in der Vergangenheit schon mehrfach.

Zertifikat auf Gold kaufen – so geht`s

Es gilt also, einiges abzuwägen, bevor man sich entscheidet, ob man ein Zertifikat auf Gold kaufen soll oder nicht. Vieles spricht aber dafür, dass bei einer Investition in Gold ein Zertifikat kein schlechter Weg ist.

Was ist ein Zertifikat?

Icon_WissenEin Zertifikat ist eine Schuldverschreibung. Emittent ist oft eine Bank, sie muss deshalb für die Rückzahlung einstehen. Im Gegensatz zu Fonds sind Zertifikate nämlich keine Sondervermögen, im Fall einer Pleite des herausgebenden Instituts kann das Geld verloren sein. Im Unterschied zu anderen Schuldverschreibungen wie Anleihen werden bei Zertifikaten aber keine regelmäßigen Zinsen gezahlt. Ob Gewinne oder Verluste gemacht werden orientiert sich vielmehr an der Entwicklung eines genau festgelegten Basiswertes, beispielsweise des DAX oder eben Gold. Die Bank verpflichtet sich beispielsweise, dem Inhaber eines DAX-Zertifikats die gleichen Gewinne auszuzahlen, die auch der Aktienindex selbst gemacht hat.

Zertifikate haben nämlich eine Reihe von Vorteilen:

+ Sie lassen sich über die Börse kaufen und verkaufen
+ Sie können über einen regulären Aktienbroker gekauft werden
+ Sie sind leicht aufzubewahren – im Gegensatz zu physischem Gold
+ Sie bieten oft einen Hebel
+ Eine Nachschusspflicht besteht meist nicht

Zertifikate sind oft börsengehandelt. Das bedeutet, dass man keinen teuren Ausgabeaufschlag zahlen muss. Mitunter bieten Emittenten von Zertifikaten im Zusammenarbeit mit Brokern sogar besondere Aktionen, in deren Rahmen Zertifikate ganz ohne Gebühren gekauft werden können.

Außerdem lassen sich börsengehandelte Zertifikate auch leicht wieder verkaufen. Dafür benötigt man nur einen ganz normalen Aktienbroker. Im Gegensatz zu CFDs und Devisenhandel ist dafür auch kein gesondertes Konto oder Depot nötig, die Wertpapiere werden einfach im regulären Depot eingebucht.

Damit fallen auch keine hohen Kosten für die Lagerung an, anders als beim Kauf von Goldbarren, für deren sichere Aufbewahrung man ein Schließfach oder einen Tresor benötigt.

Außerdem lässt sich auch mit einem Hebel handeln. Ein Hebel von x2 bedeutet dann beispielsweise, dass bei einem Zertifikat der Kurs doppelt so stark steigt oder fällt wie der Basispreis.

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Der Handel mit einem Hebel kann hohe Gewinne, aber auch hohe Verluste bringen. Hier die (fiktive) Entwicklung eines Basiswertes (blau) und eines Hebel- (hellgrau) und eines Faktor-Zertifikats (erst gleicher Verlauf wie Hebel-Zertifikat, dann dunkelgrau) mit einem Hebel von x2.

Das bedeutet aber auch, dass  Verluste theoretisch den Einsatz übersteigen können. Wenn der Goldpreis beispielsweise um 11 Prozent fällt, dann hätte man bei einem Hebel von x10 theoretisch 110 Prozent seines Kapitals verloren. Anders als bei CFDs muss aber kein Geld nachgeschossen werden. Hebel-Zertifikate sind üblicherweise sogenannte Knock-Out-Zertifikate die wertlos werden, bevor ein negativer Kurs erreicht wird.

Der Markt für Gold

Was man beachten muss

Icon_RisikoZertifikate haben aber auch Nachteile. Einer ist die Tatsache, dass das Wertpapier bei einer Pleite des Emittenten ganz oder überwiegend wertlos werden kann. Das gilt vor allem bei Emittenten außerhalb der EU, wie beispielsweise Inhaber von Lehmann-Zertifikaten bei der Pleite der Investmentbank erfahrenen mussten.

Außerdem verlangen die Banken Gebühren. Wer ein Zertifikat auf Gold kaufen will, sollte deshalb nicht nur die Konditionen der Broker vergleichen, sondern auch die Kosten der Zertifikate. Dazu zählen die laufenden Kosten sowie ein eventuell beim Kauf anfallender Spread, also die Differenz, die der Kauf mehr kostet als ein Verkauf zum gleichen Zeitpunkt bringen würde.

Daneben müssen Anleger auf die Konditionen achten. Beispielsweise Knock-out-Schwellen, bei denen das Zertifikat wertlos wird. Wichtig ist auch die Frage, was der Basiswert ist. Ist es der Spot-Preis, also die Kosten für den sofortigen Kauf? Oder ist die Basis ein Terminkontrakt. Und wie teuer notiert dieses aktuell? Möglicherweise ist im zugrunde liegenden Terminkontrakt bereits eine Preissteigerung unterstellt, dann muss sich der Goldpreis besser entwickeln als diese Preisvorgabe, um Gewinne zu machen.

Alternativen zum Gold-Zertifikat

Icon_WebseiteStatt eines Zertifikates können Anleger auch einen sogenannten ETC kaufen. Ein ETC funktioniert ähnlich wie ein ETF, ein börsengehandelter Fonds, nur dass statt Aktien oder Anleihen Rohstoffe vom Fonds gehalten werden. Die Abkürzung ETC steht für Exchange Traded Commodities, also börsengehandelte Rohstoffe.

Wie ein ETF ist auch ein ETC ein Sondervermögen, das gibt dem Anleger Sicherheit bei einer Insolvenz des Emittenten. Dafür sind die Kosten höher und es ist meistens kein Handel mit einem Hebel möglich.

Statt ein Zertifikat auf Gold zu kaufen können Anleger auch Goldaktien kaufen. Entweder direkt, als ETF oder auch als Zertifikat. Eine häufige Kritik an Gold ist ja, dass der Rohstoff weder Zinsen noch Dividenden erwirtschaftet. Das ist bei Aktien anders, die ja ein Anteil an einer Goldminengesellschaft sind. Allerdings bedeutet das auch ein zusätzliches Pleiterisiko. Aktien von Bergbauunternehmen reagieren auf Änderungen des Goldpreises weitaus stärker als der Rohstoffpreis selbst. Denn wenn der Goldpreis um 10,0 Prozent sinkt, sinken die Kosten des Bergbauunternehmens nicht ebenfalls um 10,0 Prozent. Deshalb geht der Gewinn überproportional zurück oder das Unternehmen schreibt sogar rote Zahlen. Hinzu kommen politische Risiken, denn viele Goldminen sind in instabilen Ländern.

Fazit

Gold kann eine gute Ergänzung für das Depot sein. Der Kauf von Rohstoffen hat einige Nachteile, den Gold produziert im Gegensatz zu einem Unternehmen nichts. Allerdings lässt sich mit etwas Gold das Depot absichern, weil der Wert des Edelmetalls meist in Krisen steigt, während die Aktien fallen. So ist das Depot weniger volatil. Zertifikate sind ein bequemer und vergleichsweise sicherer Weg, an der Entwicklung des Goldpreises teilzuhaben. Aktien von Bergbauunternehmen können eine Alternative zu Gold-Zertifikaten sein.

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